Waltnergitarren Klang
Ausblick

Die Konzertgitarre in der heutigen Form ist ein relativ junges Instrument. Sie birgt noch manches Potential und der Musiker darf sich die Hoffnung auf die weitere Steigerung ihrer Möglichkeiten bewahren. In der Tat hat in den letzten Jahren eine stetige Suche und Entwicklung stattgefunden. Aktuell kommen verstärkt auch wieder die Instrumente der alten spanischen Gitarrenbauer seit Antonio de Torres (1817-1892) ins Blickfeld und dienen als Leitbilder. Deren romantischer Klang ist in der Tat hochentwickelt und faszinierend.

Doch die heutigen Formen der Musikpraxis und des Konzertierens stellen Anforderungen an das Instrument, die zu Zeiten dieser Meister nicht ausschlaggebend waren. Die Gitarre ist nicht mehr nur Soloinstrument, sie ist im allgemeinen Musikleben angekommen. Damit steigt der Anspruch auf Durchsetzungskraft und Tragfähigkeit - und das Klangkonzept ist zu überdenken.

Bisher existieren noch keine Idealinstrumente, die diesen neuen Anforderungen entsprechen. Es fehlen bei der Gitarre die Referenzinstrumente. Hilfreich bei der Weiterentwicklung der Gitarre sind Erkenntnisse aus der Forschung an Streichinstrumenten. Die herausragenden italienischen Geigen (Stradivarius, Guaneri del Gesu) sind intensiv akustisch und materialkundlich untersucht.

Wichtige Impulse – sowohl qualitativ als auch quantitativ - kann die Psychoakustik geben. Ein grundlegendes Phänomen ist, dass das Ohr bei Frequenzen von 2000-4000 Hz am empfindlichsten auf ankommenden Schall reagiert. Neben anderen positiven Auswirkungen erhöht also ein - unabhängig vom Grundton - obertonreiches Klangspektrum die subjektiv empfundene Lautstärke der Gitarre und ist daher als zukunftsweisend anzusehen. Einen Ansatz dazu bieten die Gitarren von Richard Jacob „Weißgerber“. In seinen Instrumente gesellt sich zum spanischen Timbre das silbrige Klangideal aus einer Tradition, die in die Wiener Klassik zurückreicht.

Außerdem ist der sehr komplexe Aufbau der heutigen Konzertgitarre zu bedenken. Um die veränderlichen Parameter überschaubar zu halten, suche ich die Einfachkeit der Konstruktion. Genial erweist sich in dieser Hinsicht das ausgeklügelte Baukonzept der Streichinstrumentenfamilie. Interessant sind auch einige Gitarrenmodelle von Hermann Hauser I.